Selbstbehandlung und Apotheke

Im Jahr 2015 hat der BAH die May+Bauer GbR beauftragt, ein sozio- und gesundheitsökonomisches Gutachten zu erstellen.

Das Gutachten hatte die Aufgabe, die apothekengestützte Selbstbehandlung, insbesondere mit rezeptfreien, apothekenpflichtigen Arzneimitteln (sog. Selbstmedikation), im Gesamtkontext des deutschen Gesundheitssystems sozio- und gesundheitsökonomisch zu analysieren und zu bewerten sowie Handlungsempfehlungen abzuleiten. Diese Analyse erfolgte vor dem Hintergrund der bestehenden und sich künftig verschärfenden Knappheitsproblematik in der Gesundheitsversorgung.

Entlastungseffekt durch Selbstmedikation

In Deutschland sind pro Jahr rund eine Milliarde leichterer Gesundheitsstörungen zu verzeichnen. Diese sind, insbesondere mit heilberuflicher Unterstützung der Apotheken, prinzipiell selbstbehandlungsfähig, führen jedoch in rund 100 Millionen Fällen zu einer Arztkonsultation. Die vorgefundene Evidenzlage zum Nutzen und zur Kosteneffektivität spricht dafür, die Selbstbehandlung in solchen Fällen konsequent und aktiv zu fördern, was allerdings in Deutschland bislang nicht stattfindet.

Auf Basis einer konservativen gesundheitsökonomischen Berechnung haben die Gutachter ermittelt, dass durch Selbstbehandlung, i. d. R. mit rezeptfreien apothekenpflichtigen Arzneimitteln, derzeit ein Entlastungseffekt von 21 Milliarden Euro pro Jahr für die GKV im Bereich der Arzt- sowie Arzneimittelversorgung zu verzeichnen ist. Auf volkswirtschaftlicher Ebene werden Produktivitätsminderungen in Folge von Arztbesuchen und Krankschreibungen im Wert von 6 Milliarden Euro jährlich vermieden. Im Ergebnis geht so statistisch jeder Euro, der für Selbstmedikation aufgewendet wird, mit einer Einsparung von insgesamt 17 Euro für die GKV und die Volkswirtschaft einher.

Für Ärzte und Verbraucher bringt Selbstbehandlung eine erhebliche zeitliche Entlastung, sodass nicht zuletzt wertvolle Arztkapazitäten für alternative medizinische Verwendungen freigesetzt werden. Die genannten Effekte könnten durch eine gezielte Förderung der Selbstbehandlung künftig nochmals verstärkt und erhebliche zusätzliche Einsparpotenziale realisiert werden.

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Optimierung der Rahmenbedingungen

Inwieweit die beschriebenen Effizienzpotenziale ausgeschöpft werden können und es tatsächlich zu einer entsprechenden Verlagerung von Fällen in die Selbstbehandlung kommt, hängt ganz entscheidend davon ab, wie sich die gesundheitspolitischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Arzneimittel- und Gesundheitsmarktes in Zukunft darstellen werden. Der Gesetzgeber und die Marktbeteiligten sowie die Akteure der Selbstverwaltung verfügen hier über einen breiten Gestaltungsspielraum, der in unterschiedlich großem Maße zu Gunsten einer proaktiven Selbstbehandlungspolitik genutzt werden kann.

Apotheker als Lotse

Gesundheitspolitisches Ziel sollte es sein, die richtige Entscheidung des Einzelnen für eine Arztbehandlung (wenn nötig) oder eine Selbstbehandlung (wenn möglich) zu fördern. Das Prinzip der Eigenverantwortung zu stärken, ist dabei sowohl mit einem Mehr als auch mit einem Weniger an sozialem Ausgleich kompatibel. Um Effizienzreserven mit Hilfe der Selbstbehandlung zu erschließen, bedarf es unter anderem neuer Informations- und Anreizsysteme für Verbraucher, weiterhin der Apothekenpflicht für rezeptfreie Arzneimittel und einer gestärkten Rolle der Apotheken als „Lotsen“ im Gesundheitssystem.

Das Gutachten leitet diesbezüglich basierend auf einer systematischen Analyse konkrete Vorschläge ab, deren Umsetzbarkeit durch potenziell erreichbare Win-Win-Konstellationen bei den betroffenen Akteuren begünstigt wird.

Kontakt

Bei weiterführendem Interesse sowie Fragen zum Gutachten kontaktieren Sie bitte
Dr. Maria Verheesen (Referentin Selbstmedikation):

Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V.
Geschäftsstelle Bonn
Ubierstraße 71-73 | 53173 Bonn
Tel.: 0228 / 95745-49 | Fax.: 0228 / 95745-90
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