Selbstmedikation und OTC-Arzneimittel

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Die Selbstmedikation mit Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten, insbesondere in Verbindung mit der persönlichen fachlichen Beratung in der Apotheke, ist eine wesentliche Säule des deutschen Gesundheitssystems. OTC-Arzneimittel, also rezeptfreie Arzneimittel, sind wirksam, sicher und gesundheitsökonomisch sinnvoll. Für die Gesundheitsversorgung der Menschen sind sie unverzichtbar. Ohne sie würde das Gesundheitssystem kollabieren.

Aber was ist eigentlich Selbstmedikation?

Der BAH versteht unter Selbstmedikation die eigenverantwortliche Form einer Selbstbehandlung mit rezeptfreien Arzneimitteln und bestimmten anderen Gesundheitsprodukten mit dem Ziel, das gesundheitliche Wohlbefinden wiederherzustellen oder zu erhalten. Selbstmedikation kann durch die Unterstützung eines Apothekers oder Arztes optimiert werden. Nicht selten kann sie bei bestimmten Krankheiten eine Alternative für einen Arztbesuch sein oder eine heilberufliche Therapie ergänzen. Der Apotheker nimmt mit der Beratung zum OTC-Produkt eine wichtige Lotsenfunktion wahr. Selbstmedikation ist der Ausdruck einer aktiven Beteiligung des Menschen an seinem individuellen Heilungs- und Gesunderhaltungsprozess.

Falls medizinisch sinnvoll, können Ärzte ihren Patienten OTC-Arzneimittel auf einem Grünen Rezept schriftlich empfehlen. Manche Krankenkassen erstatten OTC-Arzneimittel auf Grünen Rezepten im Rahmen ihrer Satzungsleistungen.

Und was ist unter OTC-Arzneimitteln zu verstehen?

OTC-Arzneimittel im engeren Sinne sind apothekenpflichtige, rezeptfreie Arzneimittel. Der Begriff „OTC“ steht für „over the counter“ (= „über den Handverkaufstisch“) und bedeutet, dass diese Arzneimittel nur durch das pharmazeutische Personal an einen Patienten abgegeben werden dürfen. Im Gegensatz zu den apothekenpflichtigen OTC-Arzneimitteln dürfen freiverkäufliche Arzneimittel „vor dem Handverkaufstisch“, in der sogenannten „Freiwahl“, abgebeben werden. Freiverkäufliche Arzneimittel dürfen auch außerhalb von Apotheken verkauft werden.

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In Bezug auf OTC-Arzneimittel stellen der Anspruch auf Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität sowie die Optimierung der Anwendung infolge der Abgabe und Beratung in der Apotheke maßgebliche Kriterien dar. Daher werden im Markt und in der Bevölkerung freiverkäufliche Arzneimittel und Gesundheitsprodukte, insbesondere stoffliche Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel, auch als OTC-Arzneimittel wahrgenommen und daher auch unter dem Begriff OTC-Produkte zusammengefasst.

Die Abgabe in der Apotheke eröffnet die Möglichkeit, dass dort unter Umständen Alternativen oder ein Arztbesuch empfohlen werden können.

Vielfalt im OTC-Markt

Jedes zweite in deutschen Apotheken abgegebene Arzneimittel ist ein rezeptfreies Arzneimittel. Im Jahr 2017 wurden 799 Millionen Packungen rezeptfreier Arzneimittel in Deutschland verkauft. Der Gesamtumsatz betrug rund 6,9 Milliarden Euro. Weitere Informationen finden sich in der BAH-Broschüre „Der Arzneimittelmarkt in Deutschland“. Der Markt der OTC-Arzneimittel in Deutschland ist traditionell sehr vielfältig. Neben den chemisch-synthetischen Produkten gibt es ein breites Spektrum an Arzneimitteln der sogenannten besonderen Therapierichtungen. Dazu zählen pflanzliche Arzneimittel, Homöopathika und Anthroposophika. Auf die besonderen Therapierichtungen entfällt etwa ein Drittel des Umsatzes der rezeptfreien Arzneimittel in Apotheken.

Gesellschaftlicher Mehrwert der Selbstmedikation

Selbstmedikation hat einen hohen gesundheits- und sozioökonomischen Mehrwert. Durch Selbstmedikation werden bereits heute erhebliche Ressourcen eingespart beziehungsweise optimiert: Im Gesundheitssystem zum Beispiel durch Vermeidung von Arztbesuchen; volkswirtschaftlich zum Beispiel durch Vermeidung von Fehlzeiten. Durch ein Mehr an apothekengestützter Selbstmedikation bei leichten Gesundheitsstörungen anstelle einer ärztlichen Konsultation ließen sich erhebliche zusätzliche Effizienzreserven für Patienten, Kostenträger, Heilberufler und letztlich für die gesamte Gesellschaft realisieren (Gutachten „Selbstbehandlung und Apotheke“, May+Bauer GbR, 2016).

Individueller Nutzen der Selbstmedikation

Selbstmedikation mit OTC-Arzneimitteln trägt ganz wesentlich dazu bei, dass Menschen trotz leichterer (selbstlimitierender) Erkrankungen und Gesundheitsstörungen ihre alltäglichen Aufgaben in Beruf und Familie erfüllen können und ihre Lebensqualität erhalten.

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Wie werden Arzneimittel rezeptfrei?

OTC-Arzneimittel sind in der Mehrzahl bereits seit vielen Jahren erprobt und aufgrund ihres besonders positiven Nutzen-Risiko-Potenzials rezeptfrei. Auf Antrag können bisher rezeptpflichtige, aber für die Selbstmedikation geeignete Wirkstoffe oder Arzneimittel im Rahmen eines sogenannten Switch-Verfahrens aus der Verschreibungspflicht entlassen werden (siehe auch BAH-Broschüre „Der Arzneimittelmarkt in Deutschland“). Über diese Anträge berät der beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn ansässige

. Er spricht eine Empfehlung aus, ob ein Wirkstoff oder Arzneimittel aus dem Status „rezeptpflichtig“ in den Status „rezeptfrei“ überführt werden sollte. Letztlich entscheidet das Bundesgesundheitsministerium (BMG) über eine entsprechende Änderung der

, wobei diese Rechtsverordnung der Zustimmung durch den Bundesrat bedarf.

Wie steht der BAH zur Selbstmedikation?

Der BAH engagiert sich für eine stärkere Wahrnehmung der Werthaltigkeit von OTC-Arzneimitteln bei den Menschen, in Politik und Öffentlichkeit. Er steht uneingeschränkt zur Arzneimittelversorgung durch die freiberufliche, inhabergeführte Apotheke und zur grundsätzlichen Apothekenpflicht. Die Selbstmedikation mit OTC-Arzneimitteln besitzt eine bedeutende Funktion für den selbstbestimmten Patienten und die Ausübung von Eigenverantwortung in der Gesellschaft. Die heilberufliche Beratung durch Arzt und Apotheker nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein. Einer Trivialisierung oder Bagatellisierung von OTC-Arzneimitteln ist deutlich entgegenzutreten.

Der BAH setzt sich für eine aktive und gezielte Förderung von Selbstmedikation ein und steht der Politik und den Partnern im Gesundheitswesen mit seiner Expertise zur Verfügung. Denn nur in einem integrativen Diskurs können die Potenziale für ein Mehr an Eigenverantwortung und sicherer Selbstmedikation entwickelt werden. Dafür sind geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen.

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