Forschung mit Phytopharmaka

 

Beim heutigen wissenschaftlichen Fortschritt reicht es in vielen Fällen nicht mehr aus, wenn ein pflanzliches Arzneimittel sich nur auf eine tradierte und dokumentierte Verwendung beruft. Gerade im konkurrierenden Vergleich mit dem auf Unbedenklichkeit und Wirksamkeit untersuchten chemisch-definierten Arzneimitteln wird von Ärzten und von Patienten zunehmend eine moderne wissenschaftliche Absicherung durch klinische Forschung auch von pflanzlichen Arzneimitteln erwartet. Dies wird auch durch die in mehreren Novellen vorgenommenen Veränderungen bezüglich des Wirksamkeitsnachweises für pflanzliche Arzneimittel vom Gesetzgeber zum Ausdruck gebracht. Eine gewisse Problematik besteht darin, dass sich die Wissenschaft im allgemeinen und die Schulmedizin im besonderen in den Nachkriegsjahren kaum mit pflanzlichen Arzneimitteln beschäftigt haben. Erst in den letzten Jahren zeichnet sich ein zunehmendes Interesse für pflanzliche Arzneimittel, auch in der Schulmedizin, ab.

Die moderne klinische Forschung mit pflanzlichen Arzneimitteln wird diese mit Sicherheit weiter aufwerten und im Laufe der Jahre noch eine Reihe von Einsatzgebieten für Phytopharmaka eröffnen, die bisher verborgen blieben. Die aktuelle Tendenz zeigt, dass Arzneimittelinnovationen aus natürlichen Ressourcen und nicht mehr nur aus den chemischen Laboratorien kommen werden.

Aber auch auf anderen Gebieten wird intensive Forschung mit pflanzlichen Arzneimitteln bzw. ihren Ausgangsmaterialien und ihren Inhaltsstoffen betrieben. Die Anbau- und Züchtungsforschung ist vor allem auf die Optimierung von Wirkstoffgehalten, auf die Verbesserung von Ernte- und Trocknungsbedingungen und auf die Reduktion möglicher Kontaminationen ausgerichtet, was letztendlich im Interesse von Arzneipflanzen-Anbauern und pharmazeutischen Unternehmern, von Anwendern und Verbrauchern liegt. Die Forschungsvereinigung der Arzneimittel-Hersteller e.V. (FAH) beispielsweise hat in Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Anbauorganisationen Projekte zum Abbauverhalten verschiedener Pflanzenschutzmittel bei Johanniskraut, Pfefferminze und Melisse und Untersuchungen zur Resistenzevaluierung von Johanniskraut gegen die sogenannte Welke, eine Pflanzenkrankheit, sowie zur Inkulturnahme verschiedener, bislang nur aus Wildsammlungen zugänglicher Arten, durchgeführt.


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