Marktbedeutung von Phytopharmaka und Akzeptanz bei der Bevölkerung

 

Phytopharmaka erfreuen sich als wirksame und relativ nebenwirkungsarme Arzneimittel wachsender Beliebtheit bei der Bevölkerung im Zuge einer verstärkten Hinwendung zu natürlichen Quellen und im Rahmen einer bewussten und gesunden Lebensführung. Pflanzliche Arzneimittel machen einen bedeutenden Teil des pharmazeutischen Marktes der Bundesrepublik Deutschland aus und spielen insbesondere im Rahmen der Selbstmedikation, also der eigenverantwortlichen Maßnahmen mit rezeptfreien Arzneimitteln zur Erhaltung der Gesundheit und zur Vorbeugung von Gesundheitsstörungen, eine große Rolle.

Für rezeptfreie Arzneimittel sind in deutschen Apotheken im Jahr 2011 insgesamt 5,02 Milliarden Euro (Endverbraucherpreise) ausgegeben worden. Phytopharmaka hatten davon einen Anteil von rund 21 % und etwa 1,05 Milliarden Euro. Dazu kommen noch die nicht-apothekenpflichtigen Phytopharmaka, die z. B. in Drogerien, Reformhäusern oder Supermärkten vertrieben werden. Umsatzstarke Indikationsbereiche der Selbstmedikation mit pflanzlichen Arzneimitteln in Apotheken waren beispielsweise Husten- und Erkältungsmittel, Herz- und Kreislaufmittel, Magen- und Verdauungspräparate, Beruhigungs- und Schlafmittel, Mittel gegen Muskel- und Gelenkschmerzen sowie pflanzliche Tonika und Geriatrika.

 

 

Mio. Euro

± %

gg. Vj.

%

Anteil

verordnete rezeptfreie pflanzliche Arzneimittel

194,1

- 2,8

4

verordnete rezeptfreie homöopathische Arzneimittel

 92,4

- 2,1

2

Selbstmedikation mit pflanzlichen Arzneimitteln

860,2

- 4,1

17

Selbstmedikation mit homöopathischen Arzneimitteln

296,1

+ 0,7

6

Summe rezeptfreie pflanzl. u. homöop. Arzneimittel

1.442,7

- 2,8

29

andere rezeptfreie Arzneimittel

3.577.4

- 1,2

71

Gesamt

5.020,1

- 1,7

100

 

Tabelle 1: Der Markt der rezeptfreien pflanzlichen und homöopathischen Arzneimittel in Apotheken zu Endverbraucherpreisen 2011, Quelle: IMS Health

 

Einer Bevölkerungsbefragung des Instituts für Demoskopie Allensbach 2002 zufolge zählen 73 % der Bevölkerung zu den Naturheilmittelverwendern, wobei im überdurchschnittlichen Anteil Frauen (79 %) sowie Personen mit höherer Schulbildung (73 %) regelmäßig oder gelegentlich Naturheilmittel verwenden. Der Anteil der Verwender, die innerhalb des letzten Vierteljahres Naturheilmittel genommen haben, hat sich zwischen 1970 und 2002 von 14 % auf jetzt 34 % mehr als verdoppelt. Nach den Ergebnissen dieser Studie rechnet die Bevölkerung in Zukunft mit einer weiteren Zunahme: 47 % erwarten, dass in 50 Jahren in Deutschland mehr Menschen als heute Naturheilmittel verwenden können. 

Eine große Bedeutung kommt nach den Ergebnissen der Studie auch denjenigen Medikamenten zu, die zur Vorbeugung genommen werden. Hierzu verwenden 38 % der Befragten ausschließlich und weitere 41 % unter anderem auch Naturheilmittel. Außerdem dienen Naturheilmittel in wachsendem Anteil zur Begleitmedikation. Im Krankheitsfall würden nur 4 % der Naturheilmittelverwender ausschließlich Naturheilmittel nehmen, dagegen 62 % unter anderem auch Naturheilmittel. In der Bevölkerungsbefragung wurde deutlich, dass Naturheilmittel vor allem bei Erkältung und Grippe, aber auch bei Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit sowie Magenbeschwerden, Nervosität, Kreislaufstörungen und Erschöpfungszuständen oder Ermüdungserscheinungen eingesetzt werden.

Insgesamt ist in der Studie deutlich geworden, dass Naturheilmittelverwender nach Meinung der Bevölkerung stärker auf ihre Gesundheit achten, sich gesünder ernähren oder z. B. durch Selbstmedikation mit Naturheilmitteln ihre Abwehrkräfte stärken und so auch ernsteren Erkrankungen vorbeugen.

 

 

Mio. Euro

± %

gg. Vj.

Husten- und Erkältungsmittel

311

-  3,6

Herz und Kreislauf

191

- 11,4

Magen und Verdauung

115

+- 0

Beruhigung und Schlaf

66

- 19,0

Schmerzmittel/Muskel- und Gelenkschmerzen

68

-   3,0

Tonika/Geriatrika

  8

- 14,0

alle anderen

137

-   3,0

Gesamt

896

- 6,2

 

Tabelle 2: Die umsatzstärksten Indikationsbereiche der Selbstmedikation mit pflanzlichen Arzneimitteln (ohne Homöopathika) in Apotheken zu Endverbraucherpreisen 2010, Quelle: IMS Health 

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